Was sind ICOs?


Zuletzt aktualisiert: 01. Januar 2020

Schnell erklärt

Initial Coin Offerings (ICOs) sind eine Form der Unternehmensfinanzierung durch Crowdfunding, welche bei Blockchain-Start-Ups beliebt ist. Anstatt dass Aktien herausgegeben werden, wie dies bei Initial Public Offerings (IPOs) der Fall ist, erhalten Investoren entweder Token (Wertmarken) bzw. Kryptowährungen zu meist besonderen Konditionen.

Das Wichtigste in Kürze
  • Die erste funktionierende ICO war die von Ethereum.
  • Über neue ICOs kann man sich bei icotracker.net informieren.
  • 97 % aller ICOs werden nie erfolgreich werden und Anleger verlieren Geld. Ein paar wenige dagegen erzielen großen Erfolg mit Kurssteigerungen von 50.000 % und darüber.
  • Im Gegensatz zu einer IPO erhältst du bei einer ICO keine Firmenanteile und auch keine Wertpapiere. Stimmrechte gibt es auch keine. Die Teilnahme an einem ICO gleicht daher rechtlich eher einer Spende mit Chance auf Gewinn.
  • Die Alternative zu ICOs sind IEOs (Initial Exchange Offerings). Dabei werden Token direkt von Krypto-Börsen und Plattformen ausgegeben.

Was ist ein Initial Coin Offering?

ICO ist die Abkürzung für

  • Inital = Initiales bzw. Erstes
  • Coin = Coin
  • Offering = Angebot

und ist eine Möglichkeit, wie sich Blockchain-Unternehmen finanzieren oder auch Startkapital generieren.

Um das System dahinter genauer zu verstehen, sehen wir uns an, auf welchen Wegen Kryptowährungen überhaupt an Anwender oder Spekulanten kommen:

  1. Durch Mining wie zum Beispiel bei Bitcoin – es gab nie eine ICO.
  2. Durch einen Public ICO: Bei einer öffentlichen ICO kann jeder mitmachen, der über das benötigte Kapital verfügt. Grundsätzlich ist niemand ausgeschlossen. Allerdings kann es in manchen Ländern rechtliche Einschränkungen geben. Ein weiteres wichtiges Merkmal ist, dass diese ICO-Art transparent ist und offengelegt wird, wie viele Coins es insgesamt gibt und wie viele im Zuge der ICO ausgegeben werden.
  3. Durch eine Private ICO: bei einem privaten ICO wird fast kein Merkmal eines Public ICOs erfüllt. Es ist nicht transparent, wie viele Coins in Umlauf gebracht werden oder wie viel damit eingenommen wird. Private ICOs sind daher oft mit Betrug verknüpft.

Die häufigsten Token-Arten, die man als Anleger erhält, sind Security-Token, Utility-Token, Asset-Token und Currency-Token.

Wie funktioniert eine ICO?

Die meisten ICOs werden bereits Monate im Vorhinein angekündigt. Interessierte Investoren haben also genügend Zeit, alles vorzubereiten.

Die Teilnahme an einem typischen ICO funktioniert folgendermaßen:

  1. Meist ist ein ICO in mehrere Phasen eingeteilt. In der ersten Phase findet ein privater Verkauf (Private Sale) in kleiner Runde statt, an dem nur ausgewählte Großinvestoren (“Wale”) zu besonders günstigen Konditionen teilnehmen dürfen.
  2. Die nächste Phase ist der Public Sale, an dem jeder teilnehmen darf. Zumindest jedes Land, in denen ICOs legal sind. Das ist beispielsweise in den USA nicht der Fall.
    Im Zuge des Public Sale werden Token für einen begrenzten Zeitraum mit einem gewissen Abschlag (Rabatt) verkauft – zum Beispiel -40 %.
  3. Meist wird mit Ether bezahlt. Du musst also vorher Fiatgeld an einer Krypto-Börse in Ethereum tauschen. Manche ICOs bieten aber auch die Bezahlung in Bitcoins oder Euro und US-Dollar an.
  4. Eingezahlt wird meistens auf ein Treuhandkonto, welches die Gelder erst an das Unternehmen weiterleitet, sobald die Tokens ausgegeben werden. Hierfür musst du einen KYC (Know-Your-Customer) durchlaufen, bei dem du deine Identität mittels eines Lichtbildausweises offenlegen musst.

Unterschiede zu einem IPO

Es gibt einiges, was einen ICO von einem IPO unterscheidet:

ICO
IPO
Anleger erhalten Token oder Kryptowährungen
Anleger erhalten Wertpapiere (meistens Aktien)
Es gibt kein Mitbestimmungsrecht
Die meisten Investoren haben Mitbestimmungsrechte gemäß ihrer Anteile
Es werden keine Unternehmensanteile erworben
Man besitzt Unternehmensteile
Es gibt seitens des Unternehmens (noch) keine Informationspflichten
Unternehmen müssen regelmäßig diversen Tranzparenz-Pflichten nachkommen
Es gibt meist ein White Paper
Es gibt einen Investors Prospectus
Die Erfolge des Großteils an ICOs sind Stark an Bitcoin gekoppelt
Der Erfolg ist maßgeblich von den Unternehmsgeschicken bestimmt
Es gibt keine bzw. nur wenig Regulierung - So gut wie jeder kann einen ICO starten
Börsennotierte Unternehmen müssen vor dem IPO umfangreiche Auflagen erfüllen

Die größten Unterscheidungsmerkmale liegen also in der rechtlichen Betrachtung. Generell lässt sich festhalten, dass ein ICO eine unregulierte Alternative zu einem IPO ist und noch dazu mit weniger Rechten verbunden ist. Es werden keine Unternehmensanteile erworben, sondern in Wertmarken investiert, welche manchmal einen tatsächlichen Nutzen und Anwendungszweck haben, manchmal aber auch nur Mittel zum Zweck (Finanzierung) sind.

Auf der anderen Seite ist die Upside (mögliche Gewinne) bei einem ICO meistens höher.

In ICOs investieren: Strategien um gute ICOs zu finden

Wenn du nun selbst mit einer ICO Geld verdienen möchtest, Gibt es mehrere Strategien, die du anwenden kannst.

  1. Maximale Diversifikation. Mit dieser Methode investierst du einen kleinen Betrag in so viele ICOs wie möglich. Die Vorauswahl besteht im Grunde nur aus  “Handelt es sich um einen Betrug oder nicht?”.
    Was im ersten Moment etwas unwissenschaftlich klingt, kann aber durchaus sinnvoll sein. Denn die Suche nach dem perfekten ICO ist die Suche nach der Nadel im Heuhaufen und hat oft mehr mit Glück zu tun als Können. Bei der Masse an ICOs, welche Woche für Woche hinzukommen, ist es kaum oder nur mit sehr viel Aufwand möglich, die eine zu finden, die sich verhundert- oder sogar vertausendfacht.
  2. Quantitative Methode. Bei quantitativen Investment-Methoden sind Daten und Fakten wichtig, welche man zusammenträgt, bewertet und einen Punkt vergibt. Es gibt kein bestimmtes Schema dafür und du kannst einzelne Kriterien ergänzen oder entfernen, wenn diese für dich keinen Sinn ergeben. Wenn du jeden ICO nach deiner persönlichen Vorlage abarbeitest, hast du am Ende ICOs mit wenigen und mit vielen Gesamtpunkten. Jetzt kannst du zum Beispiel in alle ICOs der oberen 10 % oder auch nur 5 % investieren. Diese Investment-Methode sorgt dafür, dass du Entscheidungen möglichst rational triffst.
    Die folgende Checkliste stammt ursprünglich von Julian Hosp und wurde von uns ergänzt:
    1. Marktpotential
      1. Wie ist die Idee?
      2. Gibt es Mitbewerber?
      3. Was ist die Geschichte zum Projekt?
      4. Gibt es einen USP (Unique Selling Point = Alleinstellungsmerkmal)?
    2. Umsetzung
      1. Ist die Umsetzung möglich?
      2. In welchem Stadium befindet sich das Ganze?
      3. Gibt es eine Roadmap (konkreter Plan)?
      4. Wie ist die Strategie gegen die Konkurrenz?
    3. Team
      1. Tech: die Programmierer im jeweiligen Team bilden einen elementaren Bestandteil und sollten absolute Experten sein.
      2. Ist irgendeine in den ICO involvierte Person mit Abzocken verknüpft?
      3. Ist das Management auf Public Profiles wie LinkedIn oder Twitter zu finden?
      4. Gibt es Erfolge in der Vergangenheit?
    4. Die ICO selbst
      1. Gibt es ein White Paper?
      2. Was repräsentiert der Token und welchen nutzen hat dieser? Was könnte diesen zu einem steigenden Kurs bringen?
      3. Ist alles legal strukturiert?
      4. Wie viele Token gibt es?
      5. Wie viel Geld soll mit der ICO insgesamt eingenommen werden?
      6. Was genau soll mit dem Kapital gemacht werden?
    5. Marketing/Kommunikation
      1. Welchen Eindruck macht die Präsentation (Webseite, Videos, …) ?
      2. Gibt es eine Kommunikation mit der Community? Werden Fragen schlüssig beantwortet?

Beide Methoden sind legitim, obwohl diese einen etwas anderen Ansatz haben. Der Vorteil der letzteren Methode ist, dass man in der Regel etwas mehr Geld riskieren kann, da die Chance höher, dass die gewählten ICOs ein Erfolg werden.

ICO
Beispiel für einen soliden ICO: Transparente Angaben, große Medien schreiben positiv darüber (vorher Prüfen!) und die Zahlungsabwicklung läuft über Cryptonomos.

Risiken bei ICOs: So erkennst du Scams

Für Leute, die sich mit Finanzen und Kryptowährungen auskennen, sind Scams im ICO-Bereich schnell zu durchschauen. Für Anfänger ist es meist etwas schwerer ein höheres Risiko, zumal Betrüger immer besser werden, es wie einen legitimen ICO aussehen zu lassen.

Besonders beliebt sind sogenannte Exit-Scams: Dabei wird in einem ICO viel Geld eingesammelt, um Ende damit zu verschwinden und alle Spuren zu verwischen.

Ein paar Merkmale, die bei Scams oft vorzufinden sind:

  • Das Projekt und der Zweck hinter dem ICO ist meist völlig im Hintergrund oder nicht klar vorhanden.
  • Es werden Gewinnversprechungen gemacht.
  • Es wird nicht kommuniziert, wie viel Tokens im Zuge des ICOs ausgegeben werden und wie viel man anstrebt, einzunehmen.
  • Es gibt keine Roadmap, geschweige denn ein White Paper.
  • Es ist nicht ersichtlich, wer den Lead bei dem ICO hat.
  • Das Management und Teile des Teams haben keinen Historie, welche man überprüfen kann.
  • Das eingezahlte Kapital fließt direkt zum Unternehmen. Es gibt kein Treuhandkonto (Escrow).
  • Der ICO wird besonders aggressiv beworben.
  • Es gibt keinen klaren Start- und Endzeitpunkt.
  • Klarer Start/Endzeitpunkt
  • Es gibt ein ungewöhnlich lukratives Affiliate-System.
  • Es gibt Anzeichen eines Pyramidenspiels.

Beispiele für erfolgreiche ICOs

Die Vergangenheit hat einige sehr erfolgreiche ICOs hervorgebracht.

Beispiele dafür sind:

  • Ethereum: Was viele nicht wissen ist, dass Ethereum auf einem ICO-Token-Sale basiert. 1 Token wurde damals für $ 0,31 Cent verkauft. Verkauft wurden über 60 Millionen Coins, welche daraufhin rapide im Wert stiegen.
  • TenX: Das Krypto-Start-Up aus Singapur nahm bei Ihrem ICO Ende 2017 mehr als $ 83 Millionen ein.
  • NEO: Die Kryptowährung aus Asien konnte durch Ihren Crowdsale $ 13 Millionen lukrieren.
  • ARK: Der ICO der Kryptowährung ARK konnte $ 22 Millionen einsammeln.

ICOs im Steuerrecht

Aus steuerrechtlicher Sicht gilt grundsätzlich, dass die 1-Jahres-Regel zum Tragen kommt. Machen ICO-Investoren also Gewinn, halten die Token aber mindestens 1 Jahr lang, fällt keine Kapitalertragssteuer an.

Die Haltefrist beginnt bereits mit der Teilnahme am ICO, nicht erst, wenn man die Token erhält.

Pro & Contra zu ICOs

Initial Coin Offerings bieten Chance aber auch Risiko. Wir blicken auf die Vor- und Nachteile.

Vorteile

  • Für Investoren von ICOs sind (theoretisch) sehr hohe Gewinne möglich. Verzigfachungen von mehreren tausend Prozent kommen vor.
  • Für Unternehmen eine gute und schnelle Möglichkeit, viel Geld einzunehmen.
  • Partizipieren ist ohne große Hürden möglich.
  • Früher Einstieg in ein aufstrebendes Projekt.

Nachteile

  • In einem Bärenmarkt besteht ein hohes Verlustpotential.
  • Fast alle ICOs sind vom Bitcoin-Kurs abhängig und haben kein Eigenleben.
  • Es kommt immer wieder zu Exit-Scams.
  • Wale (“Whales”) haben großen Einfluss auf den Kurs, was auch zu Pump & Dump führen kann.
Bild des Autors

Martin begeistert die Finanz- & Wirtschaftswelt seit er denken kann und versucht, sich auf FINANZSACHE den damit verbundenen Themen undogmatisch anzunähern und sein in der Praxis erworbenes Wissen als Privatanleger weiterzugeben.

Quellen

[0] Eigene Recherche
[1] https://www.researchgate.net/publication/328190956_Initial_coin_offerings_ICOs_to_finance_new_ventures
[2] https://www.sciencedirect.com/science/article/pii/S0883902618301721

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